Mittwoch 16 Oktober 2019

Vom „Klein-Belvedere“ zur „Klein-Favela“

Meine Mutter, Romana Czajka, die Tochter einer wohlhabenden Warschauer Familie mit Konditorei kaufte dieses Haus 1946 von Strasburger. Meine Eltern hatten die Besatzung und den Albtraum des Warschauer Aufstandes überlebt und wurden nach der Niederlage von den Nazi-Schergen vertrieben. Als Warschau befreit worden war, kamen sie in die zerstörte Hauptstadt zurück. Sie wollten ihre Heimatstadt wieder aufbauen und sie wollten in diesem, vom Krieg glücklicherweise nicht zerstörten Haus, wohnen. Das sozialistische Polen vereitelte ihre Träume: „Klein-Belvedere“ wurde verstaatlicht, in mehrere Wohneinheiten aufgeteilt und unter kommunale Verwaltung gestellt.

Die ursprüngliche Zimmeraufteilung wurde geändert, damit möglichst viele Personen in das Haus hereinpassten. Auf knapp 200 qm2 schaffte die sozialistische Wohnungsverwaltung 6 Wohneinheiten unterschiedlicher Größen; im Erdgeschoss etwa lebten 7 Personen auf 20 qm2! Auf den Palastfußböden wurden Kochmaschinen und Kachelöfen aufgestellt, die Marmorfensterbänke wurden herausgerissen und versetzt, der Stuck wurde abgeklopft. Viele der Bewohner haben viel und gern getrunken, deswegen wurde die Villa „Klein-Belvedere“ in der Umgebung „Klein-Favela “ genannt.

 

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